Literatur

  1. Kurzgeschichte
  2. Gedichte

Kurzgeschichte

Bald ist es soweit

Alles liegt bereit: Hutnadeln, Zierkamm, Glacéhandschuhe. Der Spiegel der Kommode ist blank geputzt. Die leichten Vorhänge, frisch gewaschen, verströmen zarten Rosenduft, der sich mit dem Duft der Gartenrosen, den der sanfte Sommerwind durchs geöffnete Fenster weht, vermischt.

Clara atmet tief ein, möchte die ganze Welt einatmen. Sie ist gespannt, aber auch gleichzeitig entspannt. Sie streicht zärtlich über das Ballkleid. Noch trägt es eine kopf- und armlose Anziehpuppe. Über und über ist es mit Rosen übersät. Sie sind hübsch anzusehen, duften aber nicht. Es wäre nicht auszuhalten, würden sie sich auch noch in den Duftreigen einfügen. Claras Gedanken müssen klar bleiben.

In zwei Stunden wird sie ihn treffen. Nicht mehr viel Zeit, um sich zurecht zu machen. Clara hat ihrer Zofe Sophie für diesen Nachmittag frei gegeben. Sie wird es auch alleine schaffen, da ist sie sich ganz sicher. Schließlich lässt sie nicht nur die Ankleide- und Schminkzeremonien von Sophie geduldig über sich ergehen, sondern passt genau auf.  Sie ist nun imstande, sich selbst kunstvoll die Zöpfe zu flechten und sich herzurichten.  Alles würde klappen, so wie sie es geplant hat. Sie hat Fingerspitzengefühl in jeder Situation, das hat sie schon oft bewiesen. Sie ist nicht nur schön, sie ist auch klug.

Alles perfekt. Clara dreht sich langsam um sich selbst. Ihr Spiegelbild lächelt sie an. Sie ist mit ihrem Ergebnis zufrieden und noch gut in der Zeit. Noch einen Hauch des Parfums, das er ihr zum Namenstag geschenkt hat, noch einmal tief durchatmen und alle Sinne zusammen halten. Clara ist bereit.

Hutnadeln und Zierkamm hat sie geschickt platziert. Clara streift die Glacéhandschuhe behutsam über ihre zarten Hände, zieht vorsichtig die zweite Schublade von oben der Kommode auf, um den Revolver einzustecken.

Gedichte

Worte finden zum Gedicht

Komm mit mir
Worte sammeln
im Wald
unter dem Moos schlummern
sie verstecken sich
in den Bäumen
auf Äckern zwischen Korn
Blumen flüstern sie
ziehen mit den Wolken

Komm wir pflücken Worte
halten fest dass wir
kein Wort verlieren
bevor sie hinter den Bergen
versinken oder im Meer

Versunkene vergessene verschlafene
Wörter wecken wir auf
der Straße liegen sie
versteckt hinter Mauern
locken lachen lauern
hinter Gardinen

Komm wir spielen
mit Worten werfen
sie uns zu
Hause finden wir
neue noch
und uns

Wir zähmen die wilden die
die Straße gebar
würzen die zahmen
Wörter weben und komponieren

Malen mit Worten ein Bild

Mit Worten malen

Mit Worten malen
Mit dem Pinsel Geschichten
Erzählen
Aus vollem Herzen
Singen

Du schmeckst es mein Lied
Meine farbigen Worte
Fühlst meine Lippen
Meine Gedanken verstehst du

auch mich